Was sind Nosoden?


Ausgangsstoffe für homöopathische Arzneimittel können pflanzlichen, anorganischen/mineralischen, organischen oder tierischen Ursprungs sein. In einigen Fällen bestehen sie auch aus krankhaftem Material, wie es bei Nosoden der Fall ist. Nosoden sind im klassischen Sinne potenzierte Stoffe, die aus den Erregern oder Ausscheidungen infektiöser Krankheiten stammen.

 

Viele akute und chronische Erkrankungen können durch sogenannte „Schlüsseltoxine“ (= Giftstoffe) regulatorisch blockiert sein, sodass alle Therapieversuche wirkungslos bleiben. In diesen Fällen stellen Nosoden nach homöopathischem Verständnis häufig das entscheidende Durchbruchstherapeutikum dar. Die Nosodentherapie ist eine gezielte Reiztherapie, bei der es wichtig ist, zusätzlich Drainagemittel für Niere, Leber und Darm oder Bauchspeicheldrüse zu verordnen, z. B. in Form von Phytotherapeutika oder Komplexhomöopathika. Zudem ist eine tägliche Trinkmenge von 2-3 Liter Wasser zu empfehlen. So können die gelösten beziehungsweise neutralisierten Toxine aus dem Körper ausgeschieden werden. Die Beseitigung der „Schlüsseltoxine“ kann das Ansprechen des Körpers auf eine Therapie wieder ermöglichen.


Der Einzug der Nosoden in die Homöopathie

Geschichtlicher Überblick

  • im alten China: Aufschnupfen von getrockneten Blatternsekreten
  • um 380 v. Chr.: Hippokrates: „Vomitus vomitu curantur“
  • bis ins 18. Jahrhundert: Durchführung von „Variolationen“ in China und im Nahen Osten
  • um 1720: Erstmalige Impfungen mit intakten Pockenviren in Europa
  • 1796 Einführung der Kuhpockenimpfung durch Edward Jenner 
  • 1820 Wilhelm Lux potenziert Blut und Sekrete von Tieren 
  • 1832 Constantin Hering prägt das Wort Nosode 
  • seit 1978 Nosodenherstellung im HAB 1

Der Begriff „Nosode“ taucht erst im Jahr 1832 durch Constantin Hering zum ersten Mal auf. Das bedeutet jedoch nicht, dass erst mit ihm die Geburtsstunde der Nosodentherapie geschlagen hätte. Im Gegenteil: Kaum eine Therapieform ist so alt wie diese. Es ist schwer, in der Medizingeschichte einen eigentlichen Begründer der Nosodentherapie zu finden, da sie schon sehr früh in verschiedenen Kulturkreisen praktiziert wurde. So verwendeten zum Beispiel die Chinesen schon vor Jahrhunderten die von Kranken gewonnenen eingetrockneten Blatternsekrete, indem sie diese aufschnupfen ließen. Um 380 v. Chr. schreibt Hippokrates, ein griechischer Arzt, der als Begründer einer wissenschaftlich orientierten Medizin gilt, in einer Abhandlung über die Körperteile des Menschen „Vomitus vomitu curatur“ (wörtlich: „Erbrochendes wird mit Erbrochenem geheilt“). 

 

Bis ins 18. Jahrhundert hinein wurden vor allem in China und im Nahen Osten sogenannte „Variolationen“ durchgeführt. Dabei wird der Pustelinhalt von Pockenkranken in kleine Hautwunden eingebracht. Diese Art der Impfung beobachtete um 1720 die englische Schriftstellerin Mary Wortley Montagu im osmanischen Reich und brachte die Pockenimpfung nach England. Da alle bisherigen Methoden sehr riskant waren, weil sie mit aktiven Pockenviren durchgeführt wurden, führte der englische Tierarzt Edward Jenner 1796 eine weniger gefährliche Pockenimpfung ein. Er wandelte die Methode ab und verabreichte einen Kuhpockenimpfstoff. Diese Art der Impfung entspricht auch heute noch dem Prinzip der aktiven Immunisierung.

 

Als Beginn der eigentlichen Nosodentherapie sieht man heute die Zeit um 1820 an, auch wenn das Wort Nosode erst ein Jahrzehnt später auftaucht. Während Hahnemann sein eigenes Verfahren zur Arzneibereitung entwickelt hatte, experimentierte der Leipziger Tierarzt Wilhelm Lux mit Blut und Ausscheidungen kranker Tiere. Ein ungarischer Gutsbesitzer hatte ihn gebeten, homöopathische Heilmittel gegen Räude und Rotz zu liefern. Dr. Lux ersetzte das fehlende „Simile“ durch ein „Aequale“, indem er einem an Räude erkrankten Tier einen Tropfen Blut und einem an Rotz erkrankten Tier Nasenschleim entnahm und bis zur C30 potenzierte. Ermutigt durch seinen Erfolg verkündete er: „Aequalia aequalibus curantur“ (Gleiches wird durch Gleiches geheilt). Wilhelm Lux gilt damit als Begründer der Isopathie. 

 

1831 verwendete der Amerikaner Constantin Hering als erster Anhänger der klassischen Homöopathie die Produkte pathologischer Ausscheidungen als Simile. Sein erstes Präparat war eine aus den eitrigen Absonderungen der Krätzebläschen hergestellte Nosode, die Hering zur Behandlung von Krätze einsetzte und „Psorin“ nannte. 1832 erschien die 43. Ausgabe der „Allgemeinen Homöopathischen Zeitung“ in der Hering seine Heilerfolge mit Psorin folgendermaßen beschrieb: „Ich habe bis auf weiteres die Mittel dieses ganzen Gebietes im Arzneireich „Nosoden“ genannt und verstehe darunter nur Krankheitsprodukte und zwar insbesondere die darin enthaltenen wirksamen Salze“. 1833 führte Hering die Nosode Psorinum in die Materia medica ein.

Der Isopathie begegnete Samuel Hahnemann mit sehr viel Skepsis und Misstrauen, da es dem Prinzip des Ähnlichkeitsgesetzes widersprach. Er äußerte seine Ansicht dazu in der 6. Auflage seines posthum veröffentlichten Organons der Heilkunst in einer Fußnote des § 56: „Man möchte gern ein dritte Kurart durch Isopathie, wie man sie nennt, erschaffen, nämlich mit gleichem Miasm eine gleiche vorhandne Krankheit heilen. Aber, gesetzt auch, man vermöchte dieß, so würde, da sie das Miasm nur hoch potenzirt, und folglich, verändert dem Kranken reicht, sie dennoch nur durch ein, dem Simillimo entgegen gesetztes Simillimum die Heilung bewirken… Aber mit einem menschlichen Krankheitsstoffe (z.B. einem Psorikum von Menschen-Krätze genommen, gleiche menschliche Krankheit, Menschen-Krätze oder davon entstandene Uebel) heilen wollen – das sei fern! Es erfolgt nichts davon als Unheil und Verschlimmerung der Krankheit.“ Seiner Ansicht nach beruht die Wirksamkeit des Kuhpockenimpfstoffs nicht auf der Gleichheit, sondern eben auch hier nur auf der Ähnlichkeit der Erkrankungen. 

 

In Frankreich, England und in den USA errangen die Nosoden bald einen bedeutenden Platz in der homöopathischen Behandlung. Sie werden häufig in Kombination mit dem homöopathischen Simile eingesetzt. In Deutschland wurde die Nosodenherstellung bereits in der ersten amtlichen Ausgabe des  Homöopathischen Arzneibuches (HAB I) 1978 beschrieben.


Indikationsgebiete von Nosoden

Nosoden eignen sich nicht nur für die Behandlung chronischer Erkrankungen, sondern mit Hilfe bioenergetischer Funktionsverfahren (z. B. EAV) auch als Diagnostikum im Rahmen der Frühdiagnose. Durch die Austestung der Nosoden gelingt es oft, die ursprüngliche Noxe herauszufinden. Wenn der Körper eine früher durchlebte Infektionskrankheit komplett ausreguliert hat, so wird es nicht gelingen, durch die Nosode eine Veränderung des Messwertes nachzuweisen. Wenn jedoch die Kompensationsvorgänge nicht ausreichend waren oder eine unterdrückende allopathische Therapie durchgeführt wurde, gelingt es mit der Nosode, den Messwert positiv zu beeinflussen. Die Nosodentestung hat sich vor allem in den Fällen bewährt, in denen keine klinischen Befunde erhoben und die Symptomatik auf mehrere Krankheiten zurückgeführt werden konnte. Häufig ist infolge der plurikausalen Ursachen eine Verabreichung verschiedener Nosoden erforderlich.


Was versteht man unter der „Influencinum-Nosode“?

Die Influencinum-Nosode stammt aus einer Mischung verschiedener Grippestämme. Durch ein Spezialverfahren (Sterilisation und Potenzierung) werden die Viren so weiterverarbeitet, dass nur die Information über deren „Aussehen“ übrig bleibt. Ihre Infektiosität geht durch diese Aufbereitung verloren. Die Nosode stellt nach homöopathischem Verständnis eine Art „Fingerabdruck“ des ursprünglichen Feindbildes dar, sodass der Körper seine Abwehrkräfte gezielt gegen diese Viren ausrichten kann. Präparate mit der Influencinum-Nosode werden deshalb zur Infektprophylaxe eingesetzt. Eine Kombination mit weiteren homöopathischen Stoffen wie rechtsdrehender Milchsäure (gegen Müdigkeits- und Zerschlagenheitsgefühl der Muskulatur), dem Kürbisgewächs Luffa operculata (gegen Fließschnupfen), wildem Jasmin (bei Kopfschmerzen) und fiebersenkenden Mitteln wie Sturmhut oder phosphorsaurem Eisen kann sich als sinnvoll erweisen, um die Symptome einer bereits ausgebrochenen Erkältung erfolgreich zu bekämpfen, (siehe z. B. metavirulent®).


Nosoden als Reaktionsmittel

In der Naturheilkunde sind Reaktionsmittel immer dann erforderlich, wenn eine gut gewählte Therapie nicht richtig anschlägt. Eine Vorbehandlung mit einigen Medikamenten (Cortisol, Antibiotika) oder der Einfluss stark wirkender Umweltgifte (Amalgam, Schwermetalle) können nach diesem Verständnis körpereigene Ausscheidungs- und Abwehrvorgänge blockieren. Nosoden sind nach homöopathischem Verständnis dazu in der Lage, die im Mesenchym abgelagerten Toxine zu lösen und darüber hinaus eine tiefgreifende konstitutionelle Wirkung zu entfalten. Sie werden deshalb häufig begleitend bei verschiedenen Therapien eingesetzt, meist in Kombination mit sogenannten Drainagemitteln. Das sind schweiß-, harn- und galletreibende Homöopathika oder pflanzliche Arzneimittel, die den Körper bei der Ausscheidung von Giftstoffen unterstützen sollen. Man spricht hier auch von einer „Entgiftungskur“.


Pflichtangaben

metavirulent® Mischung. Die Anwendungsgebiete leiten sich von den homöopathischen Arzneimittelbildern ab. Dazu gehören: grippale Infekte. Hinweis: Bei Fieber, das länger als 3 Tage anhält oder über 39 °C ansteigt, sollte ein Arzt aufgesucht werden. metavirulent® Mischung enthält 37 Vol.-% Alkohol. Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt  oder Apotheker. meta Fackler Arzneimittel GmbH, Philipp-Reis-Str. 3, D-31832 Springe. (01/15)